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ZDF Peter Hahne

Peter Hahne in der Bams "Gedanken am Sonntag"

Über Millionen für Chefs und Stars...

...und den Neid, der unsere Gesellschaft spaltet

Verdienen die eigentlich, was sie verdienen? Kann jemand überhaupt so gut arbeiten, dass er solche Riesensummen wirklich wert ist?

Zwei Rekordmeldungen der letzten Tage lassen aufhorchen: Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ist mit 77,4 Millionen Euro Spitzenverdiener unter Europas Managern, und Bayern München schnappt sich Mario Gomez für 30 Millionen. Womit der 23-jährige Stürmer der teuerste Spieler in der Bundesliga-Geschichte ist.

Während Opel-Arbeiter und Karstadt-Angestellte um Arbeitsplätze bangen und Milchbauern ums Überleben kämpfen, stopfen sich andere die Taschen voll. Kein Wunder, dass der in Deutschland übliche Reflex sofort wieder funktioniert und eine heftige Neiddebatte einsetzt. Arm gegen Reich, Jung gegen Alt, Beamte gegen Arbeiter oder Beitragszahler gegen Rentner auszuspielen – auf dieses Spiel versteht man sich hierzulande.

Wobei diesmal ein entscheidender Unterschied auffällt. Während der Porsche-Betriebsrat seinem Chef das Misstrauen ausspricht und Aktionäre klagen wollen, regt sich über die Gomez-Millionen kein Mensch auf. Wir nehmen hin, dass Fußballer und Rennfahrer, Schauspieler und Showmaster deutlich besser entlohnt werden als wir, weil sie uns schöne und spannende Stunden bescheren und das Leben angenehmer machen. Erst wenn ein Fußballer das Tor nicht mehr trifft und ein Show-Star uns langweilt, beginnt das Geschrei um die Gagen. Neid kommt immer dann nicht auf, wo wir den Verdienst (im doppelten Wortsinn) anerkennen und akzeptieren.

Warum regen wir uns dann pauschal über Politiker-Diäten und Manager-Gehälter auf und messen mit zweierlei Maß? Vielleicht weil wir deren Leistung nicht beurteilen können oder zu bequem sind, es zu versuchen. Natürlich hat ein Mehdorn mehr geleistet als Zugverspätungen und Datenskandale zu produzieren, Politiker schlagen sich die Nächte um die Ohren, um den Wirtschaftskollaps zu verhindern.

Gegen überzogene Manager-Gehälter hilft die Lebensweisheit meiner Großmutter: „Das gehört sich nicht!“. Gegen überflüssige Neiddebatten wirkt die Einsicht: Lasst uns eine Gerechtigkeitsdebatte führen und eine Anerkennungskultur aufbauen. Neid, Gier und Geiz sind die Todsünden einer lebendigen Gesellschaft.

Sie können Peter Hahne zu dieser Kolumne auch eine E-Mail schreiben:
peter.hahne@bams.de oder ein Fax schicken: 030/25 91 766 32

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Peter Hahne und der BAMS

 

12.07.2009, 12:04 von Michelmann | 788 Aufrufe
Bewertung: 1 2 3 4 5

Kommentare

Avatar
Michelmann 13.07.2009, 13:59

Sehr geehrter Herr Hahne,

ich bez. mich auf: "Zitat"

"Lasst uns eine Gerechtigkeitsdebatte führen und

eine Anerkennungskultur aufbauen".

Das hat wirklich biblische Dimensionen.

In der Bibel habe ich dazu folgendes gefunden:

"Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren,und sagten, dieser Lohn sei nicht gerecht." (Nach Matthäus 20,1-16)

Es geht aber noch weiter bei Matthäus:

Der Weinbergbesitzer sagt zu den murrenden Arbeitern:

"Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht.

Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh!"

Es geht also auch um das Prinzip der freien Vereinbarung zwischen den Vertragspartnern.

Dieses Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg wird als Parabel betrachtet.

Interessante Auslegungsmöglichkeiten finden Sie hier:

Gott zum Gruß

Walter F.W. Michelmann

PS:Predigt zu Matthäus 20,1-16 im Festgottesdienst anlässlich des 130. Jahresfestes der Karlshöhe unter dem Motto „Arbeit neu begreifen"

von Wolfgang Huber

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